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„Computertruhe“ über Ostern zu Gast beim „R2R“ – 2. Update

Verschmelzung unseres „Computertruhe“-Logos mit dem Logo der „R2R“.

Da der Chaos Computer Club (CCC) auch dieses Jahr pandemiebedingt kein Easterhegg ausrichten kann, findet über Ostern, genauer vom 2. bis 5. April, das nächste Digital Verteilte Online-Chaos (DiVOC) unter dem Motto „Reboot to Respawn“ (R2R) statt.

Analog zum rC3 und den Chemnitzer Linux-Tagen zuvor wird es dieses Mal ebenfalls eine 2D-Welt geben, in der ihr uns an unserer Assembly besuchen könnt – vorausgesetzt ihr seid mindestens mit einem Headset und im besten Fall mit einer Webcam ausgestattet. Selbstverständlich werden neben der 2D-Welt auch Vorträge, Workshops oder Gesprächsrunden angeboten, wie ihr es von CCC-Veranstaltungen gewohnt seid.

Die Teilnahme am DiVOC ist übrigens ohne Anmeldung möglich und kostenlos, weil die Veranstaltung mit bestehender Infrastruktur verschiedener Teams aus der Community heraus dezentral betrieben wird.

Wir freuen uns auf euren Besuch.

Nachtrag vom 2. April 2021

Die World ist ab sofort für die Allgemeinheit verfügbar. Ihr könnt unser Wohzimmer übrigens auch direkt betreten.

Blick in das Wohnzimmer unserer virtuellen „R2R“-2D-Assembly. Darin befinden sich vier Avatare, ein Ruhebereich, ein Konferenztisch, eine Computerecke, Bücherregale und ein Haufen Hardware.
In unserer Assembly kann man sich nicht nur mit unseren Mitgliedern und anderen Besucher*innen austauschen, sondern man kann auch alleine viel über die „Computertruhe“ in Erfahrung bringen.

Nachtrag vom 10. April 2021

Hier noch ein paar Impressionen aus der World.

„Chemnitzer Linux-Tage 2021“ – Update

Verschmelzung unseres „Computertruhe“-Logos mit dem Logo der „Chemnitzer Linux-Tage“.

Am kommenden Wochenende, dem 13. und 14. März, finden die diesjährigen Chemnitzer Linux-Tage statt. Nachdem sie letztes Jahr pandemiebedingt leider ausgefallen sind, wird dies 2021 glücklicherweise anders sein. Denn wie so viele Veranstaltungen in den letzten Monaten zuvor, wird auch diese hier im Netz stattfinden. Vorträge werden als Videostream übertragen, Workshops finden in Videokonferenzräumen statt und es gibt eine virtuelle Umgebung, die dem Hörsaalgebäude der TU Chemnitz nachempfunden ist. In diesem sogenannten CLT-Adventure kann man mit anderen Teilnehmer*innen interagieren und die virtuellen Austellungsstände der anwesenden Projekte und Firmen besuchen. Dabei sind alle digitalen Angebote kostenlos und mit Ausnahme der Workshops auch ohne Anmeldung nutzbar.

Wir werden ebenfalls mit einem virtuellen Wohnzimmer im CLT-Adventure vertreten sein. Dies haben wir unseren neuen Vereinskolleg*innen aus Chemnitz und unserem Partnerverein, dem Chaostreff Chemnitz, zu verdanken. Sie haben uns quasi eine Art Backdoor zur Veranstaltung zur Verfügung gestellt. 😁 Mit Hilfe des in CLT-Adventure eingebetten Jitsi Meet-Videokonferenzsystems könnt ihr persönlich mit uns in Kontakt treten und uns und unsere Arbeit kennenlernen.

Wir sind schon sehr gespannt auf unsere erste Teilnahme an den Chemnitzer Linux-Tagen und freuen uns auf euren Besuch.

Nachtrag vom 13. März 2021

Das CLT-Adventure ist ab sofort für die Allgemeinheit betretbar. Kommt vorbei und schaut euch um. Wir sind am Stand des Chaostreffs Chemnitz zu finden.

Blick auf den virtuellen Stand des „Chaostreffs Chemnitz“. Darin befinden sich u. a. drei Avatare, eine Sofaecke, ein Tisch mit 3D-Drucker, Club Mate-Kisten, Rechner und auch je ein Portal, über das man auf die Karten des „Chaostreffs“ und auf die der „Computertruhe“ gelangt.
Der Eingang zu unserer Karte befindet sich bei unseren Freund*innen des „Chaostreffs Chemnitz“.

Die „Computertruhe“ im Jahr 2020

Ein anstrengendes Jahr geht zu Ende – für unsere Mitglieder und somit auch für den Verein. Wir müssen wohl niemandem von euch erklären, dass die derzeit grassierende Corona-Pandemie auch unsere Leben, die Beziehungen zu unseren Lieben, die berufliche Situation und mehr oder weniger den ganzen Rest massiv beeinflusst hat.

Das Jahr begann mit ein paar kleineren Highlights. Wir konnten endlich das neue Ticketsystem in Betrieb nehmen, um damit zukünftig sehr viel flexibler arbeiten zu können. Zudem richteten wir im Bürgertreff Kollnau eine kleine Computerecke, bestehend aus zwei Rechnern und einem Laserdrucker, ein. Und auch das Raspberry Pi-Projekt, das wir im Rahmen des Wettbewerbs Leuchttürme des digitalen Wandels gemeinsam mit dem Verein zur Förderung Sehbehinderter e. V. Waldkirch durchführen, kam weiter voran.

Mitte März hatte sich die Situation jedoch schlagartig geändert. Als sich bereits ein erster Shutdown ankündigte, veranstalteten wir unser herkömmliches Treffen und unsere Vorstandssitzung erstmalig in Form einer Videokonferenz – was sich bis heute nicht geändert hat. Positiv anzumerken ist hierbei, dass die Treffen dadurch auch für Gäste und weit entfernt wohnende Vereinsmitglieder deutlich zugänglicher geworden sind.

Im Zuge der weiteren Ausbreitung des Virus mussten leider einige Veranstaltungen, an denen wir gerne teilgenommen hätten, abgesagt werden. Darunter die Nachhaltigkeitswoche in der SBBZ – Förderschwerpunkt Sehen in Waldkirch oder die GPN20 (20. Gulaschprogrammiernacht) in Karlsruhe. Überdies entschieden wir uns final dazu, die Mitgliederversammlung ins Jahr 2021 zu verlegen.

Zum Schutz der Gesundheit aller entschlossen wir uns im März dazu, vorerst keine Spenden mehr anzunehmen und herauszugeben, sondern bis auf Weiteres nur Computer auf Vorrat instandzusetzen. Und da zu dieser Zeit ebenfalls die Verfügbarkeit von Mund-Nasen-Bedeckung sehr begrenzt war, verließen wir ausnahmweise den digitalen Sektor und erstellten und veröffentlichten eine Nähanleitung für Alltagsmasken.

Als dann die Schulen geschlossen wurden, erhielten wir immer häufiger Anfragen von Eltern oder auch Schüler*innen, denen passende Endgeräte fehlten. Daraufhin starteten wir einen Spendenaufruf für gebrauchte Laptops und sammelten parallel dazu Geld ein, um damit Raspberry Pi-Sets als Notlösung finanzieren und weitergeben zu können. Es hatte lediglich zwei Tage gedauert, um das Geld für zehn solcher Sets beisammenzuhaben. Zusätzlich wurden finanzielle Mittel gesammelt, um Paketmarken kaufen zu können, da wir zwischenzeitlich den Versand von Kleingeräten, wie Laptops oder Tablets, eingeführt haben.
Um die akute Not in den Familien etwas zu lindern, wurden „Homeschooling-Anfragen“ ausnahmsweise drei Monate lang bevorzugt behandelt. Zwischenzeitlich hatte der Vorstand beschlossen, dass neben dem Postversand die persönliche Annahme und Abgabe von Spenden unter bestimmten Voraussetzungen wieder möglich wurde.
Des Weiteren gaben wir Familien etwas Hilfestellung bei der Suche nach günstigen Gebrauchtcomputern an die Hand. Wir erstellten eine kleine Liste mit entsprechenden Händlern und stellten weitere Infos zur Verfügung, wie man auf anderen Wegen an Rechner gelangen könnte.
Am Ende der Homeschooling-Aktion, nach fast 500 Tickets, 120 versendeten Paketen und 2.500 € eingesammelten Spendengeldern, konnten wir knapp 100 Geräte an bedürftige Schüler*innen verschenken.

Da während der Pandemie obendrein der Bedarf nach einem gemeinwohlorientierten digitalen Ökosystem noch deutlicher sichtbar wurde, sind wir einem Bündnis mehrerer zivilgesellschaftlicher Organisationen beigetreten, das sich für eine unabhängige digitale Infrastruktur und freien Zugang zu Wissen einsetzt.

Zugang zu unserem internen Wissen erhält man seit geraumer Zeit über die neue Artikelkategorie „Tipp“, unter der wir in unregelmäßigen Abständen Interessantes aus den Bereichen Hard- und Software vorstellen, sowie über unser Vereinswiki, welches auch Nichtmitgliedern und potentiellen Neumitgliedern einen Einblick in den Maschinenraum der Computertruhe gestattet.

Es gab in 2020 auch etwas zu feiern. Unser Berliner Standort feierte seinen ersten Geburtstag und die Computertruhe konnte den 1000. Rechner seit Bestehen des Projekts verteilen. Dies geschah viel früher als erwartet, da allein in einem halben Jahr aufgrund der Homeschooling-Aktion bereits über 250 Desktops, Laptops und Tablets herausgegeben wurden – gewöhnlich die Menge eines gesamten Jahres. Zusätzlich gab es mehrere Anfragen gemeinnütziger Einrichtungen, die Computerräume einrichten wollten. So bekam u. a. der Stuttgarter Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes Desktop-PCs von uns, um eine Computerecke in einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete aufbauen zu können.

Im September teilten wir den Aufruf des Klimaaktionsbündnisses Freiburg und der Freiburger Ortsgruppe der Fridays for Future-Bewegung, am globalen Klimastreik am 25. September teilzunehmen – natürlich unter Einhaltung entsprechender Corona-Verhaltensregeln. Denn auch wenn sich seit Monaten alles um die Pandemie dreht, mit der Klimakrise erwartet die Menschheit leider eine noch weitaus größere Bedrohung.

An die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen, wie Infoständen auf Marktplätzen oder Empfängen für Neubürger*innen, war im Jahr 2020 selbstverständlich nicht zu denken. Daher freuten wir uns besonders darüber, dass wir zum Vintage Computing Festival Berlin (VCFB) eingeladen wurden, welches diesmal dezentral und online gefeiert wurde. Ebenfalls waren wir zwischen den Jahren zu Gast bei der Remote Chaos Experience (rC3) des CCC und konnten uns dort mit einer Assembly in einer virtuellen 2D-Welt – der rC3 world – präsentieren (etwas mehr dazu folgt in einem separaten Artikel in den kommenden Tagen).

Und um die Zeit bis zu den Weihnachtsfeiertagen bzw. bis zum rC3 etwas zu verkürzen, hatten wir uns ein Adventsrätsel für die Adventssonntage mit kleinen Überraschungspakete für die Gewinner*innen überlegt.

Zu guter Letzt danken wir nochmals herzlich allen Menschen, die sich in diesen letzten, außergewöhnlichen Monaten für den Verein eingesetzt haben. Ebenso möchten wir all den Privatpersonen sowie Unternehmen unseren Dank ausdrücken, die uns mit gebrauchter Hardware versorgt haben, v. a. PR hoch drei, Normfest, CC4Remarketing, geOps, SH business COM und Nitrokey.

Wir wünschen euch allen einen guten Start ins Jahr 2021. Bleibt gesund!

Euer Vorstand des Vereins Computertruhe e. V.

Ein Ausschnitt der Hauptplatine eines Laptops in Herzform.

„Computertruhe“ nimmt teil am „rC3“ – 2. Update

Verschmelzung unseres „Computertruhe“-Logos mit dem Logo des „rC3“.

Der Chaos Communication Congress war bisher immer ein außerordentliches Ereignis für die Computertruhe und eine Veranstaltung, auf der wir uns stets sehr wohlgefühlt haben. Daher schmerzt es dieses Jahr sehr, dass der 37C3 aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt wurde – selbstverständlich zu Recht.

Glücklicherweise wird der Chaos Computer Club (CCC) dennoch für einen sicherlich schönen Jahresausklang sorgen, denn statt des Kongresses wird es mit der Remote Chaos Experience (rC3) eine maßgeblich online stattfindende Ersatzveranstaltung geben.

Wir werden auch dieses Mal wieder mit einer Assembly am Start sein – jedoch in der virtuellen 2D-Umgebung rC3.world. Im Moment arbeiten einige fleißige Mitglieder daran, so dass wir in der Zeit vom 27. bis 30. Dezember den Verein dort würdig vertreten können. Mit Hilfe des in die 2D-Welt eingebetten Jitsi Meet-Videokonferenzsystems könnt ihr sogar persönlich mit uns in Kontakt treten und uns und unsere Arbeit kennenlernen.

Besonders freuen wir uns auf interessierte Menschen, die sich vorstellen könnten, uns ehrenamtlich zu unterstützen. Denn ein wichtiges Anliegen der Computertruhe ist es, bedürftige Menschen und gemeinnützige Organisationen nicht nur im Breisgau, Lemgo und Berlin zu unterstützen, sondern auch an anderen Standorten innerhalb Deutschlands.

Nachtrag vom 27. Dezember 2020

Um zu unserer Assembly in der 2D-Welt zu gelangen, geht einfach von der Lobby aus nach oben auf die Ebene Non-Tech und betretet den Bereich Social. Dort in der rechten oberen Ecke ist der Eingang zur Computertruhe, der euch direkt in unser Wohnzimmer führt.

Blick in das Wohnzimmer unserer virtuellen „rC3“-2D-Assembly. Darin befinden sich drei Avatare, ein Ruhebereich, ein Konferenztisch, eine Computerecke, Bücherregale und ein Haufen Hardware.
Unsere Assembly lädt nicht nur zum Austausch mit unseren Mitgliedern ein, dank unterschiedlicher Interaktionsmöglichkeiten, kann man auch alleine viel über die „Computertruhe“ in Erfahrung bringen.

Nachtrag vom 21. März 2021

Obwohl es sich beim rC3 um eine reine Online-Veranstaltung gehandelt hat, kam man mit der rC3.world so nahe wie möglich an das liebgewonnene „Kongress-Feeling“ heran. Hier ein paar Impressionen aus der riesigen Welt, so dass ihr euch ein ungefähres Bild darüber machen könnt.

„Computertruhe“ vergibt 1000. Rechner und Berliner Standort feiert 1. Geburtstag

Vor ziemlich genau 5½ Jahren wurde das Projekt Computertruhe auf die Beine gestellt, um Menschen mit instandgesetzten gespendeten Gebrauchtcomputern eine Teilhabe am digitalen Leben zu ermöglichen. Inmitten der Corona-Pandemie hat der gemeinnützige Verein nun den 1000. Rechner verschenkt – und das viel schneller als erwartet. Denn allein im letzten halben Jahr wurden aufgrund fehlender Geräte fürs Homeschooling bereits über 250 Desktops, Laptops und Tablets herausgegeben. Dies entspricht für gewöhnlich der Menge eines gesamten Jahres.

Da die Nachfrage nach Computern fürs Homeschooling nicht abbrechen und durch das aktuelle Infektionsgeschehen sogar wieder ansteigen wird, sucht der Verein weiterhin dringend Geräte. Insbesondere Laptops – nicht älter als zehn Jahre – sind gefragt, da diese wegen ihrer Größe auch an Empfänger*innen verschickt werden können, die nicht in der unmittelbaren Nähe eines der drei Standorte im Raum Breisgau, Lemgo oder Berlin wohnen.

Kuchen mit einer Kerze.

Apropos Berlin: Genau heute vor einem Jahr, am 18. Oktober 2019, fand die erste Zusammenkunft einiger Vereinsmitglieder und mehrerer Interessent*innen in der legendären c-base statt. Seitdem werden auch in der Hauptstadt gebrauchte Computer wieder in einen betriebsfähigen Zustand versetzt und an bedürftige Familien, Geflüchtete oder gemeinnützige Einrichtungen übergeben.

An einer Wand stapeln sich mehr als 30 Desktop-PCs unterschiedlicher Hersteller. Darüber hängen vier Auszeichnungen, die der Verein erhalten hat.
Jede Menge Desktops warten im Lager in Kollnau auf ihren zweiten Lebensabschnitt.

1000 Rechner bedeuten über 1000-mal mehr Chancen auf Teilhabe, aber auch die Bewahrung von 1000 funktionstüchtigen Geräten vor der Verschrottung. Die Computertruhe wird selbstverständlich auch die nächsten 1000 gebrauchten Computer einem zweiten, nützlichen Zweck zuführen, und würde sich hierfür neben Sachspenden v. a. auch über neue aktive Mitglieder freuen. Sei es an einem der bereits etablierten Standorte oder an einem neuen.

Wie kommen bedürftige Schüler*innen an Computer?

Dass eine Rückkehr zum Regelschulbetrieb mit reinem Präsenzunterricht nach den Sommerferien realitätsfernes Wunschdenken ist, dürfte inzwischen allen klar sein: Die Corona-Infektionszahlen steigen, der Deutsche Lehrerverband und der Bundeselternrat kritisieren ungenügende Hygienekonzepte und in Mecklenburg-Vorpommern mussten wenige Tage nach dem Schulstart schon wieder zwei Schulen coronabedingt schließen. Dass digitales Lernen und Homeschooling im nächsten Schuljahr weiterhin begleitend stattfinden (müssen), ist die logische Konsequenz.

Es ist Fakt, dass es in Deutschland viele Schüler*innen gibt, die keinen geeigneten Computer hierfür haben und deren Familien sich gerade in der jetzigen Situation ein solches Gerät nicht leisten können. Das sehen wir allein schon an der überwältigenden Anzahl an Anfragen, die im Rahmen unserer Homeschooling-Aktion bei uns eingegangen sind und uns weiterhin nahezu täglich erreichen.

Dass der damit fortschreitenden Digitalen Spaltung im Bildungswesen bis zum Beginn des neuen Schuljahrs von staatlichen Stellen effektiv und flächendeckend entgegengewirkt wird, ist leider nicht feststellbar. Zuerst sollten bedürftige Schüler*innen für den Kauf eines Rechners einen Zuschuss in Höhe von 150 € bekommen. Kurz darauf sah ein staatliches Förderprogramm vor, dass die Schulträger dieses Geld bekommen, Endgeräte beschaffen und diese dann an Schüler*innen verleihen sollen, die aufgrund ihrer häuslichen Situation nicht über geeignete Computer verfügen. Ein absolut guter und richtiger Ansatz – doch leider in der Umsetzung von Bundesland zu Bundesland höchst unterschiedlich und stets stark von den einzelnen Schulträgern und engagierten Lehrkräften abhängig. Außerdem bleibt die Frage offen, ob es dadurch wirklich gelingt, rechtzeitig zum neuen Schuljahr wirklich alle Schüler*innen entsprechend auszustatten.

Erst vor wenigen Tagen schürte eine von vielen großen Medien aufgegriffene dpa-Meldung, wie bspw. im ZEIT ONLINE-Artikel „Jobcenter muss Schülern Computer bezahlen“ niedergeschrieben, Hoffnung darauf, dass bedürftige Schüler*innen nun generell einen Anspruch darauf hätten, vom Jobcenter 300 € für die Anschaffung eines Computers zu bekommen. Leider handelte es sich nur um eine Einzelfallentscheidung des Sozialgerichts Mannheim. Die Bundesagentur für Arbeit lehnt weiterhin eine generelle Unterstützung ab.

Welche Möglichkeiten haben nun also bedürftige Schüler*innen, um nach den Sommerferien am digitalen Lernen und Homeschooling mit einem eigenen Rechner zu Hause teilnehmen zu können?

  1. Schulleitung bzw. -träger kontaktieren und auf die zur Verfügung stehenden Fördermittel hinweisen, mit denen Schulcomputer gekauft und dann an die bedürftigen Schüler*innen weiterverliehen werden können.
  2. Selbst vor dem jeweils zuständigen Sozialgericht klagen und sich auf das Mannheimer Urteil berufen – und damit den Druck für eine bundesweit gültige Rechtsprechung erhöhen.
  3. Vereine und Projekte finden, die gespendete Rechner instandsetzen und in der Regel kostenlos an bedürftige Menschen weitergeben. Hier kann ein Blick auf unsere Standortkarte helfen. Bitte beachtet dabei, dass diese Angebote in der Regel von Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit gestemmt werden und mit entsprechenden Wartezeiten zu rechnen ist.
  4. Manchmal steht vielleicht doch ein kleines Budget für die Anschaffung eines Rechners zur Verfügung oder man gehört zu denen, die wenig finanziellen Spielraum aber keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung haben. Für diesen Fall haben wir gemeinsam mit einigen unserer Mastodon– und Twitter-Followern eine kleine Liste mit Computerläden in alphabetischer Reihenfolge zusammengestellt, welche u. a. gebrauchte Rechner inklusive Gewährleistung zu günstigen Preisen anbieten:

Auktionsplattformen möchten wir hier übrigens ausdrücklich nicht empfehlen. Leider wird dort allzu oft überteuerter Schrott angeboten und die Not der Menschen ausgenutzt. Zudem gibt es bei Privatverkäufen keine Garantie. Wir kennen leider einige Fälle, bei denen die Käufer*innen ihr weniges, angespartes Geld auf solchen Plattformen verloren haben.

Disclaimer: Wir haben in der Vergangenheit schon einige Sachspenden von notebookgalerie.de erhalten und das Unternehmen dahinter ist seit kurzem unser erster offizieller Spendenpartner.

Gemeinschaftsunterkunft in Stuttgart erhält Computerecke

Ende Januar dieses Jahres erhielten wir vom Stuttgarter Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes eine Anfrage, ob sie von uns einige Rechner für eine Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Botnang erhalten könnten. Der Plan war, dass die Bewohner*innen die Computer fürs Surfen im Internet und zum Schreiben von Briefen und Lebensläufen verwenden. Natürlich wollten und konnten wir unterstützen und stellten ungefähr eine Woche später vier komplett ausgestattete Desktop-PCs zur Abholung bereit.

Analog zu den Geräten im Bürgertreff Kollnau hatten wir diese übrigens auch nach Frauen benannt, die Großes im Bereich der Informatik geleistet haben oder weiterhin leisten. Mittels einer Umfrage unter unseren Mastodon– und Twitter-Followern wurden die folgenden vier Persönlichkeiten aus ingesamt 28 Frauen ausgewählt:

Dieses Vorgehen wird sehr wahrscheinlich zu einer Computertruhe-Tradition werden und für alle zukünftigen Computerpools Anwendung finden. 😉

Wegen einiger netzwerkbedingter Schwierigkeiten (besonderer Dank für die Unterstützung geht an die hilfsbereiten Menschen von Freifunk Stuttgart) und der Corona-Pandemie verzögerte sich der Start etwas. Doch seit einigen Wochen wird das neue Computereck von den Bewohner*innen der Unterkunft gerne und häufig genutzt. Sei es für die Wohnungssuche, für die Teilnahme an Online-Sprachkursen oder einfach nur zum Zeitvertreib – zum Musikhören oder Videostreaming. Seit dem Ausbruch der Pandemie werden die Rechner außerdem vermehrt von den Jüngeren verwendet, um ihre Hausaufgaben zu erledigen oder um mit Lehrerkräften und Freund*innen zu kommunizieren.

Wir freuen uns, dass wir mit den Computern einen kleinen Beitrag dazu leisten konnten, das Leben in der Gemeinschaftsunterkunft ein wenig zu verbessern.

Laptopspende der „Normfest GmbH“

Auf zwei Tischen stehen drei unterschiedlich hohe Laptopstapel. Der vorderste Stapel besteht aus fünf baugleichen Geräten, die beiden hinteren sind unscharf.
Anlässlich unserer Homeschooling-Spendenaktion hat uns die „Normfest GmbH“ mit einer großzügigen Sachspende versorgt (CC BY-ND 4.0 „Normfest GmbH“).

Via Twitter hat unsere Bitte um Laptopspenden für unsere Homeschooling-Aktion die Normfest GmbH aus Velbert erreicht. Damit auch Kinder aus wirtschaftlich benachteiligten Familien am digitalen Unterricht teilnehmen können, hat uns das seit über 70 Jahren in der Kfz-Reparatur tätige Unternehmen 19 ausrangierte Laptops gespendet.

Auf mehreren Tischen verteilt sieht man 18 neben- und hintereinander angeordnete, aufgeklappte Laptops.
Dankenswerterweise wurden die Geräte vor dem Versand sogar noch getestet (CC BY-ND 4.0 „Normfest GmbH“).

„Unsere mobilen Rechner sind zwar schon alt, aber immer noch voll funktionstüchtig“, versichert der Geschäftsführer Enver Zolj. „Bevor diese Geräte bei uns in irgendeiner Ecke verstauben, möchten wir mit ihnen noch etwas Gutes tun. Schülerinnen und Schülern, die keinen eigenen Rechner haben, wollen wir somit den Zugang zu Bildung, Informationen und Kommunikation ermöglichen. Denn das Thema Digitalisierung liegt uns nicht erst seit Corona sehr am Herzen, sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer Firmenphilosophie.“

Wir bedanken uns herzlich bei der Normfest GmbH für diese tolle Spende, die freundliche und reibungslose Organisation und die dafür investierte Zeit. Dies ist gerade in den für alle Unternehmen herausfordernden Coronazeiten keine Selbstverständlichkeit.

Unsere Homeschooling-Aktion in Zahlen

Am 29. März starteten wir offiziell unsere Homeschooling-Aktion, um Schüler*innen aus bedürftigen Familien während der Corona-Pandemie mit Computern zu unterstützen. Hinter uns liegen nun drei sehr arbeitsintensive Monate, in denen wir jedoch auch herzliche Dankbarkeit, positives Feedback und viele Sach- und Geldspenden verzeichnen durften. Vielen Dank dafür!

Die Fakten

Im Zeitraum vom 29. März bis 30. Juni …

  • … landeten über unsere Website 483 Nachrichten in unserem Ticketsystem: 132 allgemeine Anfragen, 192 Nachrichten von potentiellen Hardwarespender*innen und 159 von potentiellen Empfänger*innen. Unter den Anfragenden der letztgenannten Kategorie befanden sich auch Familien mit mehreren schulpflichtigen Kindern und Schulfördervereine, die nicht nur Bedarf an einem Gerät hatten. Demnach wurden deutlich mehr als 159 Laptops bei uns angefragt. Von den insgesamt 483 Tickets konnten bereits 352 abschließend bearbeitet werden.
  • … wurden 98 Geräte gereinigt, getestet, bei Bedarf repariert und aufgerüstet, mit aktuellem Betriebssystem und für das Homeschooling notwendiger Software ausgestattet und an Schüler*innen bzw. Schulfördervereine übergeben. Darunter zehn Raspberry Pi-Sets (mit komplettem Zubehör nur ohne Bildschirm), elf Desktops (inkl. Bildschirm und Eingabegeräten), 65 Laptops, fünf Smartphones und sieben Tablets. Ergänzend wurden zudem Webcams, Lautsprecher, Headsets oder Laptop-Taschen herausgegeben.
  • … wurden über 120 Pakete ausgepackt, verpackt und versendet. Denn aufgrund des Gebots der Kontaktreduktion präferierten wir den Postversand. Überdies wohnten viele Anfragende nicht in unmittelbarer Nähe zu einem unserer Standorte und den dort aktiven Mitgliedern.
  • … wurden über 100 Paketmarken verwendet, um Geräte an die Empfänger*innen zu verschicken und um Sachspender*innen die kostenfreie Zusendung ihrer Spende an uns zu ermöglichen. Einige Personen nahmen die angebotenen Paketmarken nicht in Anspruch und spendeten die Versandkosten freundlicherweise gleich mit.
  • … erhielten wir Geldspenden im Wert von knapp 2.500 €. Davon landeten mehr als 500 € direkt auf unserem Vereinskonto und beinahe 1.900 € kamen über unsere betterplace.org-Spendenkampagnen für die Anschaffung von zehn Raspberry Pi-Sets und die Begleichung der Portokosten zusammen.
  • … wurde die Aktion hauptsächlich von sechs Vereinsmitgliedern ehrenamtlich neben Beruf, Familie und sonstigen privaten Anforderungen gestemmt.

Wie geht es nun weiter?

Wir haben uns vorstandsintern bereits Anfang Juni darauf verständigt, unsere Homeschooling-Aktion, in der wir ausschließlich Schüler*innen mit Rechnern ausgestattet haben, zum 30. Juni zu beenden. Hierfür gibt es unterschiedliche Gründe, wie bspw. die nahenden Sommerferien oder langsam anlaufende staatliche Programme zur Ausstattung der Schüler*innen mit passenden Endgeräten. Außerdem finden sich auf unserer herkömmlichen Warteliste viele weitere Personen und Einrichtungen, die ebenfalls dringenden Bedarf an Computern haben. Und natürlich waren die vergangenen drei Monate trotz aller Freude, die uns unsere Vereinstätigkeit bereitet, auch einfach sehr anstrengend. Denn uns war es wichtig, unter den gegebenen Umständen möglichst schnell auf alle Anfragen zu antworten und die Rechner ihren neuen Besitzer*innen zukommen zu lassen. Denn digitale Teilhabe und Lernerfolg dürfen nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.

Nun wollen wir ein bisschen das Tempo drosseln und wieder zum Normalbetrieb der Computertruhe zurückkehren. Die noch rund 70 offenen Rechneranfragen für Schüler*innen aus dem Aktionszeitraum werden wir weiterhin bevorzugt bearbeiten, jedoch auch dringliche Gesuche aus unserer bisherigen Warteliste angehen, die wir in den vergangenen Monaten zurückgestellt haben.

Selbstverständlich können auch weiterhin jederzeit Spendenanfragen für bedürftige Schüler*innen gestellt werden. Diese reihen sich nun jedoch in die normale Warteliste ein, wodurch es mehrere Monate dauern kann, bis wir ein entsprechendes Gerät zur Verfügung stellen können. Wie lange die Wartezeit ist, hängt in erster Linie davon ab, wie viele geeignete Rechner wir gespendet bekommen – Laptops werden daher nach wie vor stets gesucht.

Homeschooling-Aktion: „Computertruhe“ verschenkt über 70 Computer an bedürftige Schüler*innen

Langweilig ist es den aktiven Mitgliedern der Computertruhe seit dem Start ihrer Homeschooling-Spendenaktion Ende März definitiv nicht geworden. Seit die Schulen coronabedingt geschlossen wurden, erreichen den Verein zahlreiche Anfragen von Schüler*innen, deren Eltern und Schulfördervereinen aus ganz Deutschland. Denn nicht jede Familie besitzt einen Computer, der für das digitale Lernen zuhause geeignet ist oder kann sich gerade in der jetzigen Situation ein solches Gerät leisten.

Rund 350 Nachrichten gingen in den vergangenen zwei Monaten über die Website der Computertruhe ein: Von potentiellen Hardwarespender*innen und -empfänger*innen aber auch von anderen Gruppierungen und Privatpersonen, die ebenfalls Rechner für bedürftige Schüler*innen suchten oder einrichten wollten. Via Videokonferenzen und Telefonaten konnten hier wertvolle Tipps und Erfahrungen ausgetauscht werden.

Insgesamt wurden im Rahmen der Homeschooling-Aktion bislang über 70 Computer instandgesetzt und anschließend verschenkt. Anfragen nach ca. 50 Rechnern sind aktuell noch offen und werden nach und nach abgearbeitet – Laptopspenden sind also nach wie vor gefragt. Hilfreich für die Aktion waren und sind zudem Geldspenden, mit denen die Versandkosten für die Geräte gedeckt werden können.

Auf einem Schreibtisch befindet sich ein laufendes Lenovo Ideapad S205, welches einen Speichertest durchführt. Die Tastatur wurde herausgelöst und neben dem Gerät liegt ein Speicherriegel, Werkzeug und die Bodenplatte des Laptops.
Damit dieses Lenovo Ideapad S205 zukünftig flüssiger läuft, wurde der Arbeitsspeicher aufgerüstet.

Die Computertruhe wird noch bis Ende Juni bevorzugt Rechner für die Homeschooling-Aktion annehmen, instandsetzen und weitergeben. Natürlich können auch danach jederzeit Computeranfragen für Schüler*innen gestellt werden. Diese reihen sich dann jedoch wieder in die normale Warteliste ein.

Auch nach den Sommerferien wird das digitale Lernen zuhause trotz schrittweiser Schulöffnungen weiterhin erforderlich sein und die technischen Voraussetzungen können nicht allein durch ehrenamtliche Initiativen geschaffen werden. Staatliche Förderprogramme sehen nun u. a. vor, dass die Schulträger Endgeräte beschaffen und diese dann an Schüler*innen verleihen, die aufgrund ihrer häuslichen Situation nicht über geeignete Computer verfügen. Gemäß des Kultusministeriums Baden-Württemberg könnten so ungefähr 300.000 digitale Endgeräte für die öffentlichen und privaten Schulen bereitgestellt und dadurch landesweit etwa 20 Prozent aller Schüler*innen unterstützt werden.

Für Familien, die wenig Geld zur Verfügung haben und keine staatliche Unterstützung erhalten, hat die Computertruhe mit Hilfe einiger ihrer Mastodon– und Twitter-Follower*innen auf ihrer Website eine kleine Liste mit Computerläden veröffentlicht, welche u. a. gebrauchte Rechner inklusive Gewährleistung zu günstigen Preisen anbieten.


Die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins Computertruhe e. V. setzen ehrenamtlich in ihrer Freizeit gespendete Rechner und sonstige Hardware wieder instand und geben sie kostenlos an bedürftige Menschen und andere gemeinnützige Organisationen weiter. In den vergangenen fünf Jahren konnten so ausgehend von den Standorten Breisgau, Lemgo und Berlin bereits über 900 Geräte an glückliche, neue Besitzer*innen übergeben werden.